
Obwohl dieser Trade über 500 Seiten umfasst, wird diese Review nicht besonders lang werden. Der Grund dafür ist, dass dieser Showcase Band der mit Abstand enttäuschendste ist, den ich bisher gelesen habe. Die Essentials von Marvel inklusive…
Das beginnt schon mal damit, dass dieses Heft – obwohl Volume 1 getauft – nicht wirklich am chronologischen Anfang von Supermans Historie beginnt. Die Explosion von Krypton, Supermans Landung auf der Erde und ähnliche wichtige Stationen im Lebenslauf des Man of Steel sieht man nur in Recap-Stories. Natürlich gibt es ein paar wenige First Appearances zu bestaunen, doch der größte Teil des Trades ist einfach nur belangloses Zeug, dessen Inhalte sich auch immer etwas ähneln.
In 80% der ca. 50 Geschichten geht es eigentlich nur ums Tarnen und Täuschen. Superman täuscht vor, dass er verletzt worden ist, unter Trance steht, freiwillig mit Verbrechern zusammenarbeitet o.ä. nur um am Ende der Story zu gestehen, dass das Alles nur Teil seines gewieften Planes gewesen ist um die Verbrecher aus ihren Verstecken zu locken. Das hat nur selten einen logischen Hintergrund und ist auch erbärmlich da es sich bei den Gegnern die er auf diese Art hervorlockt, meist nur um gewöhnliche Ganoven handelt. Ich will Superman gegen gigantische Gegner oder kriminelle Superhirne kämpfen sehen und nicht gegen ein paar Typen die Aussehen wie aus einem schlechten James Cagney Film.
Das Ganze geht aber auch umgekehrt, so bedienen sich auch die Schurken öfters (simpler) Tarnung um Superman auszutricksen. Das beste Beispiel sind wohl 2 Schauspieler die sich als die toten Jonathan und Martha Kent verkleiden und vorgeben mit einer Zeitmaschine aus der Vergangenheit in die Zukunft gereist zu sein um ihren Superboy als Superman zu sehen.
Die restlichen Episoden sind mehr oder weniger „What if…?“ Stories wie zb. Was wäre wenn Superman Präsident wäre, mit Lois verheiratet wäre, Krypton nicht explodiert wäre usw. Oder, und das finde ich noch schlimmer, Stories in denen Superman in verschiedenste Berufe schlüpft. So ist er einmal als Soldat, Feuerwehrmann, Bulle und auch Bauarbeiter zu sehen. Warum zum Teufel muss Superman einem miesen Bauunternehmer das Handwerk legen? Nochmal: Wenn ich Superman lese, will ich riesige Schlachten haben und keine Jobs wo normal ne Behörde einen Sachbearbeiter vorbeischicken würde.
Generell scheint Superman enorm viel Freizeit zu haben. Ständig stellt er sich für Vorträge, gesellschaftliche Anlässe oder sogar als lebende Zielscheibe für Army Übungen zur Verfügung. Diese Rampensau scheint einfach keinen Auftritt auszulassen. Kindergeburtstag, Faschings-Gschnas, Pensionisten-Ball? Ihr braucht ne Mitternachtseinlage? Ruft Superman!
Es bleiben vielleicht 5 Stories die ich hervorheben würde, wobei die meisten nicht durch die Klasse ihrer Story, sondern nur durch die (mittlerweile) populären Figuren hervorstechen.
Da wäre einmal der erste Auftritt von Brainiac, der durchs Weltall fliegt, Städte verkleinert und später seinen eigenen Planeten damit bevölkern will (um sie anschließend zu regieren natürlich). In einer dieser „Aufbewahrungsflaschen“ findet Superman auch Teile eine kryptonische Stadt (Kandor, die ja Jahrzehnte später wieder verwendet wird) und – so ein Zufall – sogar Verwandte von sich. Am Ende gibt’s dann noch ein aufopferndes, dramatisches Finale…

man beachte das Äffchen auf Brainiacs Schulter
Ebenfalls bestaunen darf man 2 ½ Auftritte eines Supergirls. Als erstes wünscht sich Jimmy mittels eines magischen Totems eine Freundin für Superman her was sich aber im Nachhinein (nicht nur wegen Lois) als schlechte Idee herausstellt.
Beim zweiten Mal träumt Lois selbst davon über Superkräfte zu verfügen und erst beim dritten Anlauf treffen wir dann schließlich auf das echte Supergirl (Kara bzw. Linda Lee), die hier auch ihren ersten Auftritt überhaupt feiert. Nette Ausgabe, aber da Superman sie sehr schnell in das Internat einer anderen Stadt abschiebt, bekommt man sie später nur noch in einem einsamen Panel zu sehen.

Lex Luthor bekommt ebenfalls 2 oder 3 Auftritte beschert, die aber alle an Lächerlichkeit kaum zu überbieten sind. Erwähnenswert ist sicherlich jener bei dem er ein Mittel entdeckt, das ihn Kryptonitenergie abstrahlen lässt, was Superman natürlich in Schwierigkeiten bringt.
Der Mann aus Stahl entwickelt als Antwort einen albernen Strahlenanzug der ihn aber auch nicht schützt und am Ende ist es ein wahnsinnig idiotischer Trick der ihn Luthor doch noch besiegen lässt:
Superman fliegt in die Nähe von Luthor bricht jedoch trotz der Strahlung nicht zusammen. Es stellt sich heraus das er „unsichtbare“ Schnüre an sich befestigt hat, mit denen Jimmy Olsen ihn von einem Hubschrauber aus wie eine Marionette steuert!
Lex Luthor ist daraufhin so aus dem Häuschen, dass er sofort die Flucht ergreift und da er durch das Kryptonit Mittel grün leuchtet, und ihn die Polizei so in der Nacht leicht finden könnte, beschließt er das Antidote zu nehmen, wodurch er aber seine Abstrahlung verliert, Superman wieder kräftig wird und er Luthor schließlich doch noch gefangen nehmen kann.
Zusammenfassend heißt das Alles, dass Luthor zwar ein Kryptonit-Trank plus Gegenmittel entwickeln kann (was nicht mal Superman geschafft hat) aber zu blöd ist einen, unmittelbar über ihm fliegenden Hubschrauber zu bemerken…
Ein anderer trotteliger Gegner ist Mr. Mxyzptlk, ein Gnom aus einer anderen (ich glaub die fünfte) Dimension der Superman und ganz Metropolis so lange mit albernen Späßen nervt, bis jemand ihn dazu bringt seinen eigenen Namen rückwärts auszusprechen. Passiert das, wird er für 90 Monate zurück in seine Dimension gesperrt. Durch Flashbacks werden seine vergangenen Besuche gezeigt und zusammenfassend lässt sich der Gnom wohl wirklich mit jedem noch so blöden Trick übertölpeln…
Hatten die Fantastischen Vier nicht auch mal so einen bescheuerten Gegner? Hab dessen Namen vergessen, glaub mich aber dumpf an einen solchen zu erinnern.
Cooler ist da schon ein Auftritt von Bizarro, der in einen Zweiteiler mündet, und in dem er das erste Mal seine Bizarro-Lois trifft. Kann aber auch sein, dass ich das nur deshalb cool finde, da die Anschluss-Story daran eines der ersten Comics gewesen ist die ich als Kind gelesen habe…

Was mir wirklich, wirklich gut gefallen hat, ist der erste Auftritt von Mentallo, dem menschlichen Roboter. Das ist ein wirklich guter Charakter und dass er zum Überleben Uran oder Kryptonit benötigt – also das was Superman tötet – ist zwar nicht besonders einfallsreich, aber dennoch cool.
Kryptonit ist in diesem Trade ohnehin so eine Sache. Einerseits wird stets betont wie selten es ist, andererseits scheint jeder ein Häuflein davon zu Hause zu haben. Jeder Verbrecher, jeder Forscher und jeder Zeitreisende Passant der bei Superman vorbeikommt, zieht früher oder später eine Box mit der grünen Wunderwaffe hervor. Als wäre das grüne nicht schon in Unmengen vorhanden, wird im Laufe des Trades auch noch das aus der Zukunft mitgebrachte Rote Kryptonit unter die Leute gebracht. Superman verliert hier also auch mal die Kontrolle über seine Kräfte ehe er sie für für 2 Stunden verliert. In dieser Zeit wird er übrigens als Statue in einem Museum ausgestellt…

Als hätte man durch das ständige Vorkommen von Kryptonit nicht schon genug davon, gibt es sogar noch eine Extra-Story die sich mit der Herkunft des Kryptonits und Supermans Versuche sich dagegen zu wehren befasst.
In dieser Geschichte taucht auch Krypto der Superhund auf, der eigentlich gerade „die Galaxie bereist“ (Zitat Superman), aber mal kurz auf die Erde zurückgekommen ist um sein Herr’l vor – naJa – dem Kryptonit zu retten… Ich hasse diesen Köter. Nur unerschütterliche Lassie-Fanatiker können die Kommunikation zwischen den beiden toll finden.
Gute Szenen sind auch jene in denen Superman mit den Schätzen angibt die er in seiner Fortress of Solitude hortet. Das tut er anscheinend gerne und oft. Praktisch bei jeder sich bietenden Gelegenheit… Da sind schon ein paar kuriose Sachen dabei, die mich zum Schmunzeln brachten.
Das Artwork fand ich, und das ist schon was, etwas besser als bei den anderen Showcase Ausgaben, aber im Grunde genommen ist alles aus dieser Periode ziemlich gleich.
Wenn man nicht wirklich ein ganz ein großer Superman Fan ist, würde ich vom Kauf dieses Trades wirklich abraten. Ich habe viele der Geschichten am Ende nur noch durchgeblättert da schon nach 3 Seiten klar war wie die Geschichte weitergehen wird und bis auf Mentallo gibt es auch von den Gegnern keine großen Momente von denen ich sagen würde, dass man sie unbedingt gesehen haben muss. Investiert euer Geld lieber in einen aktuelleren Superman-Trade.
1/5
SHOWCASE PRESENTS: SUPERMAN, VOL. 1
DC COMICS, Oktober 2005
enthält Action Comics #241-257 und Superman #122-133
| Mitarbeiter | |
| Texter | Otto Binder, Jerry Siegel, Bill Finger, Alvin Schwartz, Jerry Coleman, Robert Bernstein |
| Zeichner | Curt Swan, Wayne Boring, Kurt Schaffenberger, Al Plastino, Dick Sprang |
| Tuschzeichner (Inker) | Stan Kaye, John Sikela |
| Titelbild-Zeichner | Curt Swan, Alex Sinclair, Stan Kaye |
| Publisher | Paul Levitz |
| Editor in Chief | Dan DiDio |
| Editor | Mort Weisinger |
| Weitere Einzelheiten | |
| Reihe | Showcase |
| Genre | Super-Heroes |
| ISBN | 1401207588 |
| Altersangabe | Modern |
| Farbe | Black & White |
| Listenpreis | 9,99 € |
| Seitenanzahl | 560 |
| Land | USA |
| Sprache | English |
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