
Da sie bald endgültig von Geoff Johns Secret Origin abgelöst werden wird, will ich die Zeit noch nutzen und Mark Waids Neufassung der Superman Origin besprechen.
Bevor ich aber zu „Birthright“ selbst komme, will ich noch einen Gedanken zu den unzähligen Superman Origins los werden. In einem Podcast (ich glaub Back to the Bins) zum Original Superman Film mir Christopher Reeves, wurde gesagt, dass die Superman Origin im Gegensatz zu der von Spider-Man, Batman und anderen Helden deshalb so oft neu gestaltet werden würde, da seine Geschichte so Besonders und Einzigartig sei. Dem kann ich nun überhaupt nicht zustimmen.
Eigentlich haben Shuster und Siegel schon damals gehörig gestohlen. Ein Typ wird als Baby von seinen Eltern vor der Vernichtung gerettet, in einer neuen Welt von Adoptiveltern großgezogen und steigt dort dann zum Beschützer des Volkes auf. Jedem sollten hier die Parallelen zu Moses & Co. auffallen. Hier passt auch hervorragend dass sich DC Jahrzehnte später noch mit Tod und Wiederauferstehung am Jesus Mythos bediente. (Übrigens habe ich unlängst gelesen, dass Kal-El auf Hebräisch „alles was Gott ist“ bedeuten soll. Keine Ahnung ob das stimmt, würde aber passen…)

Der Grund für die große Anzahl von Origin-Überarbeitung liegt vielmehr am Alter des Franchise und den vielen Lizenzierungen die vergeben wurden. So wurden Jimmy Olsen und das Kryptonit z.b. für die Radio-Show erfunden und erst nachträglich in die Comic-Serie übernommen. Auch die Filmreihe aus den 80ern und als aktuellstes Beispiel die Serie Smallville veränderten bzw. erweiterten die Legende des Mannes aus Stahls um ein gutes Stück. Die Neufassungen haben jetzt „nur“ die Aufgabe, all diese von außen zugeführten Veränderungen auch im Comic unter einen Hut zu bringen und fügen dem Titelhelden im Besten Fall noch einige zeitgemäße Charakter-Facetten hinzu.
Birthright reiht sich nun nach dem Original, John Byrnes Version, dem Film und Smallville als 5te Station dieses Origin Reigens ein und lässt sich eigentlich schnell in einem Wort zusammen fassen: Modernisierung
Mark Waid probiert sichtlich die leicht angestaubte Geschichte in die Gegenwart zu transportieren. Lois Lane wirkt feministischer, Jimmy Olsen ist erwachsener und hat auch einen (zu) ausgeprägten Sexualtrieb (dass Lois sogar eine einstweilige Verfügung gegen ihn beantragen musste, musste ich zwei Mal lesen um es glauben zu können) und Martha Kent surft auf der Suche nach Aliens im Internet.
Besonders dieser Internet-Punkt ist nicht nur unnötig sondern auch nicht wirklich durchdacht. Wenn man bedenkt, dass das Internet noch nicht sooo lange Standard ist (besonders für 2 ältere Farmer in Kansas) wirkt es als wäre Superman erst gestern in die Stadt gekommen. Ein Anachronismus, denn wie lässt sich dies sinnvoll mit der langen Geschichte des Man of Tomorrow verbinden?
Auch ein ständig Streit suchender Herausgeber, der dem Daily Planet neu aufs Aug gedrückt wurde, und ähnlich wie JJJ im Bugle das Raubein in der ansonst netten Redaktion spielen muss, ist meiner Meinung nach völlig unnötig.

Auf andere, bereits etablierte Charaktere wie Lana und den anderen aus der Smallville Clique wurde dafür gänzlich verzichtet. Das heißt aber nicht dass Smallville komplett ausgespart wurde. Die größte Veränderung, nämlich die, dass Lex Luthor und Clark Kent sich noch von früher kennen, wurde sogar direkt aus der TV-Serie übernommen. Auch hier werde ich wieder an die Moses Geschichte erinnert. Auch Moses und der Pharao wurden laut Bibel gemeinsam erzogen, ehe sie zu Feinden wurden…
Lex Luthor wird hier wieder als verrückter Wissenschafter und allwissendes Genie dargestellt. Ich persönlich sehe ihn zwar lieber als Business Man (den er eh auch hier hin und wieder gibt) doch auch mit dieser Version bin ich sehr zufrieden.
Etwas seltsam ist, dass er nur auf Grund ein paar kleiner Hinweise die er in seinr Jugend entdeckt hat, bereits mehr Information über Krypton ausgearbeitet hat als Clark. Und dass obwohl diesem sogar eine Art „kryptonischer Laptop“ mit Daten hinterlassen wurde…
Dieses Wissen nutzt Luthor später auch um die Menschen in eine wahre Supermann-Paranoia zu versetzen. Er behauptet Superman wäre der Späher für eine Alien-Invasion, hetzt gegen ihn und bestätigt seine eigene Meldung mit einer von ihm selbst angeführten Fake-Invasion die Superman im letzten Drittel des Trades auch bekämpfen muss.
Diesen Modernisierungsversuch von Waid finde ich gelungen, denn in Post 9/11 Zeiten ist die Angst vor etwas Fremden realistisch und sollte somit auch den Eingang in die Comic-Bücher finden.

Trotz Supermans Schlacht gegen Luthors Invasion ist dieser Trade nicht besonders Action-lastig, sondern setzt sich stark mit den Emotionen der Charaktere auseinander. Die wichtigsten Beispiele:
Jonathan Kent hat Angst, dass sein Sohn sich von ihm entfernen könnte und sich nur noch seinen kryptonischen Wurzeln verbunden sieht. Dementsprechend launisch reagiert er auch auf die Nachforschungen seines Adoptivsohnes.
Der pupertierende Lex Luthor ist durch seinen überragenden Intellekt (gekoppelt mit einem völligen Fehlen an sozialem Gespür) ein kompletter Außenseiter der das Weltall in der Hoffnung erforscht, eine ihm ähnliche Lebensform zu finden.
Clark Kent ist als Teenager hingegen völlig orientierungslos und weiß nicht wo sein Platz in der Welt ist. Interessant ist, dass er sich erst zu einer Helden-Karriere durchringt, als er beim Beschützen eines afrikanischen Politikers (fast das komplette erste Drittel spielt in Afrika) versagt. Ich persönlich hätte mir von da an einen gehetzten Superman erwartet, der ständig Angst hat seinem Potential nicht gerecht werden zu können. Dieser Ansatz wird von Waid aber leider nicht mehr weiterverfolgt. Superman fragt sich zwar später noch hin und wieder ob Lex’ Charakter vielleicht heute ein besserer wäre, wenn er in derren gemeinsamen, freundschaftlichen Vergangenheit (noch) verständnisvoller gewesen wäre, doch ansonsten bleiben uns Versagensängste erspart. (Hat Alan Moore eigentlich schon was für das Superman Franchise gemacht? Wäre interessant wie er den „Boy Scout“ gestalten würde…)
Tatsächlich befasst sich ein Großteil von Birthright mit der Freundschaft von Clark und Lex und Waid bemüht sich sichtlich Lex Charakter zu erfassen und zu erklären. Das gelingt ihm so gut, dass ich nach dem ersten Mal Lesen das Gefühl hatte, eine Lex Luthor Origin gekauft zu haben. Auch jetzt sind mir die Luthor Szenen eindeutig mehr in Erinnerung geblieben als die des Titelhelden…
Was mir am Titelhelden gefallen hat, ist wie er und seine Eltern die „Tarnung“ des Clark Kent einarbeiten, bzw. beschießen das Clark dem strahlenden Helden ein tollpatschiges AlterEgo gegenüber stellen sollten.

Auch Leinil Yus Artwork verläuft mehr auf der emotionalen Schiene. Ich finde dass Yu zwar schon ein guter Künstler ist, doch ich bin mir nicht ganz sicher ob er der geeignete Zeichner für Superman ist. Ich erwarte mir hier immer eine „ikonenhafte“ Darstellung und dafür ist Yu mit Sicherheit nicht der Richtige. Klar, er setzt manche wichtigen und auch oft kopierten „Standard-Szenen“ gut um, doch das „übermäßig heldenhafte“ fehlt den Zeichnungen meiner Meinung nach.
Vielleicht wollte Yu aber auch nur dem Stil von Mark Waid folgen und das Paradebeispiel eines Superhelden etwas vermenschlichen.
FAZIT: Ich fand die Darstellung von Lex Luthor ziemlich gelungen und auch die Tarnung Clark Kent / Superman bzw. die Ausarbeitung dieser wurde fantastisch umgesetzt. Mehr gibt dieser Trade allerdings auch schon nicht her.
Birthright ist eine solide, doch keine grandiose Neuinterpretierung der Superman Origin. Ich glaube zwar nicht dass Geoff Johns Secret Origin um vieles besser sein wird, doch würde ich bei einer Wahl zwischen den Beiden eher zu Johns Geschichte raten. Und das obwohl ich noch kein Heft von seiner Serie gelesen habe…
3/5
SUPERMAN: BIRTHRIGHT (TPB, Softcover)
DC COMICS, November 2005
beinhaltet Superman: Birthright #1-12
| Mitarbeiter | |
| Texter | Mark Waid |
| Zeichner | Leinil Francis Yu |
| Tuschzeichner (Inker) | Gerry Alanquilan |
| Kolorierung (Colorist) | Dave McCaig |
| Schrift (Lettering) | Richard Starkings |
| Titelbild-Vorzeichner (Penciler) | Leinil Francis Yu |
| Titelbild-Tuschzeichner (Inker) | Gerry Alanquilan |
| Publisher | Eddie Berganza |
| Editor in Chief | Dan DiDio |
| Weitere Einzelheiten | |
| Reihe | Superman |
| Genre | Action, Origins, Retcons, Super-Heroes |
| Altersangabe | Modern |
| Farbe | Color |
| Listenpreis | 19,99 € |
| Seitenanzahl | 304 |
| Land | USA |
| Sprache | English |
RSS - Posts
Von Alan Moore sind die zwei klassischen Supermangeschichten FOR THE MAN WHO HAS EVERYTHING und WHATEVER HAPPENED TO THE MAN OF TOMORROW ? Letztere wird von vielen als eine DER besten Supermangeschichten überhaupt angesehen.
Stimmt, Danke für den Hinweis!
Hab jetzt „DC Universe: The Stories of Alan Moore“ auf meine Liste gesetzt. Beinhaltet beide Stories und noch vieles mehr:
* „For the Man Who Has Everything“ – Superman Annual #11 – 1985
* „Night Olympics Part One“ – Detective Comics #549 – 1985
* „Night Olympics Part Two“ – Detective Comics #550 – 1985
* „Mogo Doesn’t Socialize – Green Lantern #188 – 1985
* „Father’s Day Part One“ – Vigilante #17 – 1985
* „Father’s Day Part Two – Vigilante #18 – 1985
* „Brief Lives“ – The Omega Man #26 – 1985
* „A Man’s World“ – The Omega Man #27 – 1985
* „The Jungle Line“ – DC Comics Presents #85 – 1985
* „Tygers“ – Tales of the Green Lantern Corps. Annual #2 – 1986
* „Whatever Happened to the Man of Tomorrow? Part One“ – Superman #423 – 1986
* „Whatever Happened to the Man of Tomorrow? Part Two“ – Action Comics #583 – 1986
* „Footsteps“ – Secret origins #10 – 1987
* „In Blackest Night“ – Tales of the Green Lantern Corps Annual #3 – 1987
* „Mortal Clay“ – Batman Annual #11 – 1987
* Batman: The Killing Joke – 1988